WIE WAR DAS JETZT MIT BRESLAU?

Der ehemalige Landrat Reiner Wegner (links) und Hildesheims Oberbürgermeister Ingo Meyer (rechts) bei einem Besuch in Breslau. Hier mit dem Vorsitzenden des Rotary-Clubs Breslau, Jacek Ossowski.Der ehemalige Landrat Reiner Wegner (links) und Hildesheims Oberbürgermeister Ingo Meyer (rechts) bei einem Besuch in Breslau. Hier mit dem Vorsitzenden des Rotary-Clubs Breslau, Jacek Ossowski.

Eine Delegation aus Hildesheim reist in die Kulturhauptstadt Breslau. Eigentlich alles ganz normal, sollte man denken. Doch die Mitteilung der Initiatoren wirft Fragen auf. 

HILDESHEIM. Es sollte eine ganz normale Pressemitteilung sein. Meistens freuen sich Versender von Pressemitteilungen darüber, wenn ein Journalist Nachfragen stellt. Immerhin wollen die Absender ja Interesse wecken. Bei dieser Pressemitteilung, versandt vom ehemaligen Chefredakteur der Hildesheimer Allgemeinen Zeitung, Hartmut Reichardt allerdings, war alles anders.

Reichardt informierte in seiner Pressemitteilung darüber, dass eine Delegation aus Hildesheim vor Kurzem nach Breslau gereist war. Dort haben sich die Teilnehmer unter anderem über Breslaus Bewerbung und die Organisation einer Europäischen Kulturhauptstadt informiert. So weit, so gut. Unter den Teilnehmern waren unter anderem Hildesheims Oberbürgermeister Ingo Meyer und der ehemalige Landrat Reiner Wegner. Auch das ist bis hier erstmal kein Problem.

Problematisch wird es, wenn sich in einer kurzen Pressemitteilung gleich mehrere Dinge widersprechen. Als Absender der Pressemitteilung werden die beiden Vereine “Hildesheim blüht auf” sowie “Freundeskreis der Kulturregion 2025″ genannt. Der Freundeskreis hat sich vor wenigen Wochen gegründet, um eine mögliche Bewerbung Hildesheims als Europäische Kulturhauptstadt 2025 positiv zu unterstützen.

Überschrieben ist die Pressemitteilung mit den Worten “Von Breslau viel gelernt”. Darunter steht: “Dr. Ingo Meyer und Reiner Wegner folgen Einladung des Βreslauer Stadtrats in die aktuelle Kulturhauptstadt Europas”. Im dann folgenden Text werden weder der Freundeskreis noch der Verein Hildesheim blüht auf weiter erwähnt, sondern es handelt sich auf einmal um eine Einladung des Rotary Clubs aus Breslau. Wer hat denn jetzt wen eingeladen, fragt man sich hier.

Nachgefragt bei Hartmut Reichardt  betont dieser, dass es sich um eine private Reise gehandelt habe, die keinen offiziellen Charakter hatte. Es habe zunächst eine Einladung des Rotary Clubs Breslau an die Freunde aus Hildesheim gegeben. Man habe sich dann entschlossen, die Einladung anzunehmen und dabei auch Mitglieder des Freundeskreises und von Hildesheim blüht auf mitzunehmen. Eine weitere Nachfrage, ob denn die Einladung an die Herren Meyer und Wegner seitens des Breslauer Stadtrates erfolgt sei, so wie es in der Pressemitteilung stehe, verneinte Reichardt. “Nein, … es hat eben nicht auf dieser formalen Ebene stattgefunden”, schreibt er in einer E-Mail an die Redaktion.

Auch Oberbürgermeister Ingo Meyer betont, er habe als Privatier die Reise nach Breslau angetreten und sei dabei nicht in seiner Funktion als Verwaltungschef unterwegs gewesen. Natürlich werde er aber die Erkenntnisse aus dem Besuch in seine Überlegungen zu einer möglichen Bewerbung Hildesheims als Kulturhauptstadt Europas 2025 einbeziehen. So lässt sich Meyer auch in der Pressemitteilung zitieren:

Oberbürgermeister Dr. Meyer hob die Lebendigkeit hervor, der er in Breslau begegnet sei. „Ich war angetan von dem spürbaren Stolz der Einheimischen, in der aktuellen Kulturhauptstadt Europas zu leben.“ Er habe „wichtige und interessante Eindrücke und Informationen gewonnen, die uns bei der Entscheidungsfindung für eine Bewerbung als Kulturhauptstadt Europas helfen werden“, so Meyer. Von Breslau habe er „viel gelernt“.

Am Donnerstag stellt der Freundeskreis im Dommuseum Hildesheim ein erstes Gutachten vor, das Erkenntnisse über eine  mögliche Bewerbung Hildesheims bringen könnte.

 

Über den Autor

Oliver Carstens
Oliver Carstens
Oliver Carstens wurde 1979 in Hannover geboren und ist nach 12 Jahren in Hamburg und Schleswig-Holstein im März 2012 nach Hildesheim gekommen. Der gelernte Journalist arbeitet seit fünf Jahren im Bereich Lokaljournalismus. Ersten Erfahrungen bei einem Stadtmagazin in Hannover folgten in Hamburg Engagements für Wochen- und Tageszeitungen. Beim Pinneberger A. Beig Verlag, der zu Schleswig-Holsteins größtem Verlagshaus (sh:z) gehört, lenkte Carstens mehrere Monate als verantwortlicher Redakteur die Geschicke der neuen Sonntagszeitung "Tageblatt am Sonntag". Nach seinem Umzug nach Hildesheim arbeitete der gebürtige Hannoveraner als freier Journalist für die "Hildesheimer Allgemeine Zeitung", bevor er CityToday gründete. Als Inhaber der Medienagentur "Aussenkontakt" entwickelt er zudem Kommunikationskonzepte aus einer Hand, ist Experte für social media-Anwendungen und referiert zu journalistischen Themen. Zudem ist Carstens als Moderator und Organisator von politischen Veranstaltungen und Podiumsdiskussionen für die Friedrich-Naumann-Stiftung Für die Freiheit tätig.

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