WENN DAS CHAOS DAS LEBEN BEHERRSCHT

Liebevoll und tragisch-komisch erforscht Dirk Kaufmann in "Das halbe Leben", warum es so schwer ist, Ordnung zu halten. (Foto: Zuckerhut Theaterproduktion, Volker Hanuschke)Liebevoll und tragisch-komisch erforscht Dirk Kaufmann in "Das halbe Leben", warum es so schwer ist, Ordnung zu halten. (Foto: Zuckerhut Theaterproduktion, Volker Hanuschke)

Es wird gelacht. Doch eigentlich ist das Schicksal des Akteurs aus „Das halbe Leben“ alles andere als lustig. 

HILDESHEIM. Zu Beginn wirkt die Bühne im Weinsziehr, auf der sich Dirk Kaufmann bewegt, noch aufgeräumt. Beinahe steril. Weiße Regale, weiße Möbel. Doch dann legt der Akteur auf der Bühne los. Durchwühlt Schränke, Schubladen, zieht sich die übereinander angezogenen T-Shirts nach und nach aus. Dadurch wird Kaufmanns Körper immer schlanker, aber das Chaos auf der Bühne nimmt stetig zu.

Regisseurin Julia Kastner, die in der Dramaturgie von ihrer Schwester Barbara Kastner unterstützt wurde, versucht die Geschichte eines Mannes, der es partout nicht schafft, Ordnung zu halten, mit komischen Elementen zu erzählen. Da kämpft Kaufmann mit dem störrischen Staubsauger oder versucht, das Thema Ordnung mittels der Suche eines Eichhörnchens nach Futter zu erklären. Dass er dabei von einem Flausch-Hörnchen gebissen wird, das er sich kurz zuvor unter sein Jacket gesteckt hat und schließlich aggressiv von sich wirft, sieht lustig aus.

Kaufmann spielt seine Rolle souverän, er gestikuliert, und schafft es, obwohl er allein auf der Bühne steht, die Geschichte rund um glaubhaft zu erzählen. Die per Telefon geführten Dialoge mit seiner ordnungsliebenden Mutter, die ihren Besuch ankündigt und Kaufmann in zusätzlichen Stress versetzt, die Wohnung aufräumen zu müssen, bringen die Figur den Zuschauern näher. Auch das Auffinden einiger Fundstücke aus seiner letzten Beziehung mit Jutta, die ihn immer wieder daran erinnern, woran diese Beziehung wohl gescheitert sein mag, bespielt Kaufmann lebensnah und realistisch, so dass es das Publikum gut nachempfinden kann.

Er ist die tragische Figur, die an ihren eigenen Ansprüchen scheitert, was die Geschichte eben nicht zu einem komödiantischen Abend macht, auch wenn das Publikum die meiste Zeit eher lacht. Viele erkennen sich in Kaufmanns Darstellung wieder, mögen sie wohl aber nicht dem großen Chaos erliegen sein, sondern eher situativ Parallelen erkennen.


Weitere Vorstellungen von „Das halbe Leben“ werden am Donnerstag, 27., Freitag, 28. und am Samstag 29. Oktober, sowie
am 2./8./11./16. und 18. November, jeweils um 20 Uhr im Weinsziehr aufgeführt.

Über den Autor

Oliver Carstens
Oliver Carstens
Oliver Carstens wurde 1979 in Hannover geboren und ist nach 12 Jahren in Hamburg und Schleswig-Holstein im März 2012 nach Hildesheim gekommen. Der gelernte Journalist arbeitet seit fünf Jahren im Bereich Lokaljournalismus. Ersten Erfahrungen bei einem Stadtmagazin in Hannover folgten in Hamburg Engagements für Wochen- und Tageszeitungen. Beim Pinneberger A. Beig Verlag, der zu Schleswig-Holsteins größtem Verlagshaus (sh:z) gehört, lenkte Carstens mehrere Monate als verantwortlicher Redakteur die Geschicke der neuen Sonntagszeitung "Tageblatt am Sonntag". Nach seinem Umzug nach Hildesheim arbeitete der gebürtige Hannoveraner als freier Journalist für die "Hildesheimer Allgemeine Zeitung", bevor er CityToday gründete. Als Inhaber der Medienagentur "Aussenkontakt" entwickelt er zudem Kommunikationskonzepte aus einer Hand, ist Experte für social media-Anwendungen und referiert zu journalistischen Themen. Zudem ist Carstens als Moderator und Organisator von politischen Veranstaltungen und Podiumsdiskussionen für die Friedrich-Naumann-Stiftung Für die Freiheit tätig.

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