“Wann kommt der Moment, sich zu befreien?”

Volle Konzentration: Bis zu den Berliner Festspielen stehen noch ein paar Übungseinheiten für die Tänzerinnen und Tänzer auf dem Programm. (Foto: Carstens)Volle Konzentration: Bis zu den Berliner Festspielen stehen noch ein paar Übungseinheiten für die Tänzerinnen und Tänzer auf dem Programm. (Foto: Carstens)

Berlin, Berlin. Sie fahren nach Berlin. Und zwar zum 2. Tanztreffen der Jugend im Berliner Haus der Festspiele. Nur sieben Ensembles bundesweit dürfen daran teilnehmen. Saltazio aus Hildesheim ist dabei. 

HILDESHEIM. Am Mittwoch, 30. September, ist es soweit. Im Haus der Berliner Festspiele bringen Meeri Beste, Wolfram Föppl, Linda Krische, Nina Luttmann, Annkristin Mansen, Laura Molzahn, Marie-Kristin Rheinländer, Katharina Rittmeier und Marie Salge ihr Stück “Alice” auf die Bühne und werden damit Teil der Berliner Festspiele. “Alice” erzählt von den Wünschen und Wahrheiten junger Menschen und entführt die Zuschauer in ein ganz eigenes Land, weit weg von beruflichen Zwängen und gesellschaftlichen Anforderungen. Es ist ihr Wunderland. „Warum wünsche ich mir etwas, was nie in Erfüllung gehen wird?“, „Will ich das wirklich?“, „Kann es so etwas tatsächlich geben?“ – es sind die Fragen junger Menschen, die an der Schwelle zum Erwachsenenwerden stehen. Tänzerisch umgesetzt von neun Tänzerinnen und Tänzern.

“Was bewegt uns eigentlich?”

Schon seit 2013 hatten die Mädchen und Jungen das Thema im Kopf. “Was bewegt uns eigentlich”, stellten sie sich die Frage. Wichtig war ihnen, die Gedanken positiv zu formulieren. Als im Februar die Ausschreibung für die Berliner Festspiele anstand und das grobe Konzept stand, setzten sich Judith Hölscher, Chefin der Hildesheimer Tanzschule Saltazio, und Choreografin Uta Engel zusammen. “Uta war damals mitten in den Proben zu “Töchter”, aber wir waren uns schnell einig, dass wir da unbedingt mitmachen wollen”, erinnert sich Hölscher.

"Alice" erzählt von den Träumen, Sehnsüchten und Problemen junger Menschen. "Wann ist der Moment, sich zu befreien?" (Foto: Carstens)

“Alice” erzählt von den Träumen, Sehnsüchten und Problemen junger Menschen. “Wann ist der Moment, sich zu befreien?” (Foto: Carstens)

Zwischen 15 und 18 Jahren sind die Mitglieder des Ensembles und damit prädestiniert dafür, über ihre Sorgen, Ängste aber auch Hoffnungen zu sprechen. “Wichtig war, dass nicht nur die Geschichten sondern auch die Choreografie authentisch ist”, so Hölscher. Unter 12 Ensembles musste sich Saltazio beweisen. Eine Jury aus Berlin kam zur Live-Sichtung nach Hildesheim. Im Saal im Stadttheater führten sie “Alice” der Jury vor, die Jugendlichen erzählten von ihrer Motivation, ihren Träumen, wie sie sich auf das Stück vorbereitet und erarbeitet hatten. 14 Tage später die Nachricht: Ihr seid dabei. “Von 68 Ensembles eines von sieben zu sein, ist der Wahnsinn, wir sind alle völlig ausgerastet”, denkt Hölscher an den Moment der Zusage zurück.

Aus 68 Ensembles ausgewählt – eine Auszeichnung für Choreografin und Coach

Von der Jury gab es nur lobende Worte. Das Konzept sei sehr speziell, die tänzerische Umsetzung technisch sauber, insgesamt eine gute Kombination. Ein Urteil, das die Arbeit von Uta Engel und Judith Hölscher nicht nur auszeichnet, sondern ihren Anspruch auf den Punkt bringt. So geht es Mitte September nach Berlin, eine ganze Woche steht tanzen, tanzen, tanzen auf dem Programm. Der Höhepunkt der Auftritt am 30. September auf der Bühne.

“Es ist für jeden von uns etwas ganz Besonderes”

Seit nunmehr drei Jahren tanzt das Ensemble in gleicher Besetzung zusammen. Etwas, das dem Betrachter sofort ins Auge fällt. Sehr harmonisch ist die Stimmung unter den Mitgliedern, aber auch sehr konzentriert. Ein bisschen albern geht es nur zwischendurch zu, da macht auch die Chefin gern mal mit. Doch wie auf Knopfdruck ist die Konzentration wieder da. Es geht weiter, die Abläufe müssen sitzen, viel Zeit ist nicht mehr. “Es ist für jeden von uns was Besonderes, weil sich alle irgendwie in diesem Stück wiederfinden”, sagt Meeri Beste. Die 17-Jährige erzählt, wie aus den Vorstellungen und Ideen der Jugendlichen ein tänzerisches Gesamtkonzept wurde. “Das haben wir mit Judith und Uta professionalisiert. Und wir sind stolz darauf, was wir geschafft haben.”

Auch albern darf es mal zugehen. Da wird für den Fotografen gescherzt. Doch schnell ist die Konzentration wieder da. (Foto: Carstens)

Auch albern darf es mal zugehen. Da wird für den Fotografen gescherzt. Doch schnell ist die Konzentration wieder da. (Foto: Carstens)

“Wir wollten mit “Alice” Themen ansprechen, über die man vielleicht nicht so oft redet. Mit der Familie nicht und auch mit Freunden nur, wenn man ganz miteinander vertraut ist”, sagt Linda Krischke. Sie ist die Jüngste des Ensembles, 15 Jahre jung. Und für Marie Salge ist “Alice” eine fortlaufende Geschichte, die merkwürdig, manchmal ungewohnt ist. “Wir haben uns die Frage gestellt, wann der richtige Moment ist, sich zu befreien, uns als Person wahrzunehmen und unseren eigenen Weg zu gehen.”

Dieser Weg hat längst begonnen. Und ist für die Jungen und Mädchen von Saltazio auch noch lange nicht zu Ende.


Weitere Termine: 

29. und 30.08.
Tag der offenen Tür Bundesministerium für Bildung und Forschung – komplettes Wochenende 3 Auftritte pro Tag


19. – 21.09.
Tag der Talente in Berlin (21.09. Ehrung im Bundesministerium für Bildung und Forschung durch Bundesministerin Prof. Dr. Johanna Wanka,


25. – 02.10.
Berliner Festspiele / Tanztreffen der Jugend


30.09.2015
Aufführung des Stückes “Alice” bei den Berliner Festspielen aufgeführt. Karten sind über die Webseite der Berliner Festspiele erhältlich

Über den Autor

Oliver Carstens
Oliver Carstens
Oliver Carstens wurde 1979 in Hannover geboren und ist nach 12 Jahren in Hamburg und Schleswig-Holstein im März 2012 nach Hildesheim gekommen. Der gelernte Journalist arbeitet seit fünf Jahren im Bereich Lokaljournalismus. Ersten Erfahrungen bei einem Stadtmagazin in Hannover folgten in Hamburg Engagements für Wochen- und Tageszeitungen. Beim Pinneberger A. Beig Verlag, der zu Schleswig-Holsteins größtem Verlagshaus (sh:z) gehört, lenkte Carstens mehrere Monate als verantwortlicher Redakteur die Geschicke der neuen Sonntagszeitung "Tageblatt am Sonntag". Nach seinem Umzug nach Hildesheim arbeitete der gebürtige Hannoveraner als freier Journalist für die "Hildesheimer Allgemeine Zeitung", bevor er CityToday gründete. Als Inhaber der Medienagentur "Aussenkontakt" entwickelt er zudem Kommunikationskonzepte aus einer Hand, ist Experte für social media-Anwendungen und referiert zu journalistischen Themen. Zudem ist Carstens als Moderator und Organisator von politischen Veranstaltungen und Podiumsdiskussionen für die Friedrich-Naumann-Stiftung Für die Freiheit tätig.

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