SCHEITERN DARF KEINE SCHANDE SEIN

Christian Lindner (links), Parteichef der Freien Demokraten und Professor Andreas Pinkwart von der Leipzig Graduate School of Management, stellten die Ergebnisse der Studie "Gründungsgeschehen in Deutschland" in Berlin vor. (Foto: Oliver Carstens)

Freie Demokraten wollen Gründen leichter machen – mit neuem Gründergeist und einem Startup-Stipendium.

BERLIN/HANNOVER. Das Jahr neigt sich dem Ende und zum Jahreswechsel wird es in Deutschland etwa 33000 weniger Unternehmen geben als noch zu Jahresbeginn 2016. Auch die Anzahl der Unternehmensneugründungen geht stetig zurück. Eine Studie der HHL Leipzig Graduate School of Management sieht dafür vor allem zwei Gründe: zum Einen ist die Gründerkultur in Deutschland weiterhin negativ aufgestellt, zum anderen gibt es zu wenig Risikokapital.

Startup-Session der Freien Demokraten in Berlin. Auf dem Podium diskutierten Sebastian Czaja (FDP Berlin), Andreas Pinkwart (HHL Leipzig), Lencke Steiner (Fraktionsvorsitzende der FDP in der Bremer Bürgerschaft, FDP-Chef Christian Lindner und der Fraktionsvorsitzende der FDP im Landtag Niedersachsen, Christian Dürr. (Foto: FDP Berlin)

Startup-Session der Freien Demokraten in Berlin. Auf dem Podium diskutierten Sebastian Czaja (FDP Berlin), Andreas Pinkwart (HHL Leipzig), Lencke Steiner (Fraktionsvorsitzende der FDP in der Bremer Bürgerschaft, FDP-Chef Christian Lindner und der Fraktionsvorsitzende der FDP im Landtag Niedersachsen, Christian Dürr. (Foto: FDP Berlin)

„Eigentlich leben wir in einer echten Gründerzeit, dank der Digitalisierung. Doch stattdessen wagen immer weniger Menschen, sich selbstständig zu machen“, konstatiert HHL-Direktor Andreas Pinkwart, der gleichzeitig darauf aufmerksam macht, das die wirtschaftliche Entwicklung Deutschlands maßgeblich von der Innovationskraft und von erfolgreichen und wachsenden Unternehmensgründungen abhängig ist. „Die Bedingungen für innovative Startups sind in Deutschland aber nicht gut genua, um eine Trendwende herbeiführen zu können.“

DEUTSCHLAND MUSS GEWINNER DER DIGITALISIERUNG WERDEN

Die Trendwende wollen die Freien Demokraten und wollen in Gesellschaft und Politik dafür werben, auch für potentielle Gründer einen neuen Geist im Land einziehen zu lassen. „Wir wollen, dass die Menschen in Deutschland zu den Gewinnern der digitalen Revolution profitiert und Minister Alexander Dobrindt eben nicht mehr damit zufrieden ist, dass Deutschland auf Platz 10 der digitalen Innovatrionskraft in Europa gehört“, macht der Bundesvorsitzende der Freien Demokraten, Christian Lindner, am Montagmorgen in Berlin deutlich.

Dort haben die Freien Demokraten zu einer Startup-Session eingeladen, ins stylische Mindspace, einem Gründerzentrum für innovative Unternehmer. Dort arbeiten Dienstleister und Produktion in kleinen oder Großraumbüros nebeneinander. Es gibt Konferenzräume und Coffee-Bars. Selbst schalldichte Telefonzellen sind auf den Fluren zu finden.

In einem der Konferenzräume sitzen beinahe über 100 Menschen. Junge, ältere, gestandene und potentielle Unternehmer. Und lauschen zuerst Andreas Pinkwart, der die Studie der HHL vorstellt. Die Zahl der Neugründungen geht seit 2013 stetig zurück. Waren es in 2013 noch 422000 Unternehmen, sank die Zahl auf 388000 Neugründungen im Jahr 2015. Für 2016 ist mit einer weiteren Schrumpfkur um etwa sechs Prozent zu rechnen.

Die Ursachen der sinkenden Gründerdynamik haben die Wissenschaftler ebenfalls untersucht. Ganz oben dabei: die mangelnde Kultur des Scheiterns nennen immerhin 79 Prozent der Befragten einer Delphi-Befragung als Grund dafür, auf eine Unternehmensgründung zu verzichten. „Scheitern darf keine Schande sein. Ja, es ist manchmal der Preis, für einen Versuch. Aber dann gilt es: wieder aufstehen, weitermachen, neu gründen“, spornt Lindner die Gäste der Startup-Session an.

Auch fehlenden Risikokapital gilt Vielen als echtes Gründungshemmnis. Private Darlehen (43 Prozent) und Bankdarlehen (35 Prozent) bilden heute in weiten Teilen den Kapitalgrundstock für eine Gründung. Faktoren, die einen Gründer nach Auffassung Pinkwarts oftmals auch an einer schlechten Idee festhalten lassen. „Da gilt es für viele, den Kredit an die Bank oder an die Oma noch zurückzahlen zu können, anstatt im Zweifel etwas zu beenden.“

NEUER GRÜNDERGEIST FÜR DEUTSCHLAND

Der bürokratische Aufwand ist in Deutschland mit etwa 10,5 Tagen beinahe beinahe zehn Mal so hoch, wie beispielsweise in Kanada, wo ein Gründer nur eineinhalb Tage für Anmeldungen und andere Vorschriften aufwenden muss. „Natürlich wünsche ich mir vor allem digitale Experten in eigenen Unternehmen. Aber manche dürfen auch gern in die Verwaltung gehen und dort den digitalen Wandel vollziehen“, nimmt Lindner den Ball auf.

Gemeinsam mit den Vorsitzenden der anderen Fraktionen in den deutschen Landtagen will Lindner nun einen neuen Gründergeist in Deutschland entfachen. Dazu gehöre auch, in digitale Infrastruktur zu investieren. Auch darüber, wo das Geld hierfür herkommen soll, sagt er. „Der Bund ist immer noch zu 50 Prozent an der Deutschen Post beteiligt. Weg damit. Verkaufen wir die Anteile, erlöst der Bund roundabout neun Milliarden Euro“, rechnet Lindner vor. Dieses Geld solle dann in den Ausbau von Glasfasernetzen investiert werden. „Und nicht für Rentengeschenke von Frau Nahles“, fordert der Parteichef.

Als mögliche Brücke soll nach Willen der HHL-Studie und der Freien Demokraten ein Startup-Stipendium stehen, das Gründer unbürokratisch beantragen können und ihnen vor allem zu Beginn der Unternehmensgründung helfen soll, ihre Existenz aufzubauen. Die Studie schlägt hierfür einen Betrag von 1000 Euro in den ersten sechs Monaten, sowie weitere 800 Euro für weitere sechs Monate vor.

Weiter sollen Unternehmer durch Ermässigungen bei der Einkommensteuer unterstützt werden. An den Hochschulen sollen Gründernetzwerke entstehen und bereits an den Schulen sollte ein eigenes Unterrichtsfach „Wie entwickele ich eine eigene Geschäftsidee“ eingegliedert werden. Realschüler in Klasse 10 und Gymnasiasten in Jahrgangsstufe elf sollen dabei die Möglichkeit erhalten, eine eigene Geschäftsidee zu entwickeln und diese in Kooperation mit Unternehmern weiter fort zu schreiben.

Passend zur Startup-Session der FDP in Berlin veröffentlichte die Auskunftei Creditreform am Montag Zahlen, nach denen die Firmeninsolvenzen 2016 im Vergleich zum Vorjahr um 6,4 Prozent auf 21.700 Fälle sinken werden. Nach Angaben der Auskunft wäre dies der niedrigste Stand seit 1999 und bereits der sechste Rückgang in Folge. Grund hierfür sind laut Creditreform die robuste Konjunktur und die niedrige Arbeitslosigkeit. Steigende Umsätze und Erträge verbesserten die Stabilität der Unternehmen. Durch die Niedrigzinsen kommen Firmen zudem billiger an Geld.


Hier bekommen Gründer in Hildesheim Hilfe:

– bei der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Hildesheim Region (HiReg) unter der Telefonnummer 05121 309-2171 oder per E-Mail unter info@hi-reg.de. Die Internetseite der HiReg finden Sie unter diesem Link

– beim Gründerzentrum Hildesheim, Ansprechpartner Ulrich Müller, telefonisch unter 05121 – 15 00 30, per E-Mail unter info@gruenderzentrum-hildesheim.de. Weitere Informationen zum Gründerzentrum Hildesheim finden Sie online auf der Webseite.

Über den Autor

Oliver Carstens
Oliver Carstens
Oliver Carstens wurde 1979 in Hannover geboren und ist nach 12 Jahren in Hamburg und Schleswig-Holstein im März 2012 nach Hildesheim gekommen. Der gelernte Journalist arbeitet seit fünf Jahren im Bereich Lokaljournalismus. Ersten Erfahrungen bei einem Stadtmagazin in Hannover folgten in Hamburg Engagements für Wochen- und Tageszeitungen. Beim Pinneberger A. Beig Verlag, der zu Schleswig-Holsteins größtem Verlagshaus (sh:z) gehört, lenkte Carstens mehrere Monate als verantwortlicher Redakteur die Geschicke der neuen Sonntagszeitung "Tageblatt am Sonntag". Nach seinem Umzug nach Hildesheim arbeitete der gebürtige Hannoveraner als freier Journalist für die "Hildesheimer Allgemeine Zeitung", bevor er CityToday gründete. Als Inhaber der Medienagentur "Aussenkontakt" entwickelt er zudem Kommunikationskonzepte aus einer Hand, ist Experte für social media-Anwendungen und referiert zu journalistischen Themen. Zudem ist Carstens als Moderator und Organisator von politischen Veranstaltungen und Podiumsdiskussionen für die Friedrich-Naumann-Stiftung Für die Freiheit tätig.

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