Premiere von „Die Kaktusblüte“: Lachen an Tagen wie diesen

Arzt und Sprechstundenhilfe: Julian Winston (André Vetters) und Stephanie Dickinson (Simone Mende). (Foto: TfN)

Lachen trotz Terror. Am Theater für Niedersachsen feierte „Die Kaktusblüte“ Premiere und sorgte in schweren Zeiten erst recht für komische Abwechslung. 

HILDESHEIM. Nicht einmal 24 Stunden nach den Terroranschlägen von Paris gab es am Theater für Niedersachsen am Samstagabend etwas zu lachen. „Wir haben lange überlegt, ob es angebracht ist, in Zeiten wie heute eine Komödie zu spielen. Aber wir haben bewusst gesagt: ja, wir spielen“, sagte TfN-Intendant Jörg Gade auf der anschließenden Premierenfeier. „Wenn wir uns nicht mehr versammeln, wenn wir Angst haben, dann bekommen die Terroristen das, was sie wollen.“ Der Applaus gab Gade Recht.

Zuvor hatten die Zuschauer ein Stück erlebt, das viele schon aus den 1960er-Jahren kennen, noch  mit Walter Matthau, Goldie Hawn und Ingrid Bergmann in oscar prämierten Rollen. So spielte auch die Musik in der Vergangenheit, ebenso das Bühnenbild. Statt einer modernen Zahnarztpraxis für Julian Winston (André Vetters) setzte Andrea Jensen als Verantwortliche auf den Stil der Vergangenheit. Vetters spielt den Lebemann Julian, der sich dank einer florierenden Zahnarztpraxis auf der Fifth Avenue in New York ein Leben auf der Überholspur leisten kann. Auch mit den Frauen. Doch wenn die wahre Liebe kommt, die eine eben, dann wird auch der überzeugteste Junggeselle zum Möchtegern-Ehemann. Doch seine junge Geliebte Antonia, gespielt von Julia Gebhardt, will Julian nur heiraten, wenn er sich von seiner Ehefrau scheiden lässt. Die gibt es allerdings nicht und so nimmt das Schicksal seinen Lauf.

Eine Sprechstundenhilfe als Bildnis des Abends

Dank Igor (Marek Egert) überlebt Antonia (Julia Gebhardt) gleich zu Beginn der Aufführung ihren Selbstmordversucht. (Foto: TfN)

Dank Igor (Marek Egert) überlebt Antonia (Julia Gebhardt) gleich zu Beginn der Aufführung ihren Selbstmordversucht. (Foto: TfN)

Zum Glück hat der Zahnarzt eine Sprechstundenhilfe, die allerdings ist ein echter Kaktus und damit Sinnbild des Abends. Spröde, langweilig und hat so überhaupt keinen Sexappeal. So zumindest nimmt ihr Chef Stephanie Dickinson wahr. Die wird auf der Bühne gespielt von Simone Mende und die macht während dieser Premiere einen echt guten Job. Sie schafft den Spagat zwischen der Darstellung der männerfeindlichen Frustrierten und der Frau, die nach der wahren Liebe such. Mende hat die tragende Rolle an diesem Abend, man merkt ihr in jeder Sekunde an, dass sie Spaß an dem hat, was sie dort auf der Bühne tut. Mende ist der perfekte Gegenpart zu der jugendlichen Rolle der Antonia.

Michaela Allendorf überzeugt gleich dreifach

Eine Dreifach-Rolle übernimmt an diesem Abend MIchaela Allendorf, die sowohl als heißer Latino Mr. Sanchez als auch als hysterische Patientin und Kellner in der Nachtbar überzeugen kann. Mit viel Witz, Esprit und ein bisschen Übertreibung gelingt es ihr, dass man ihr sogar die Rolle eines spanischen Liebhabers abnehmen kann. Überzeugend auch Gotthard Hauschild als trotteliger Patient, der wiederholt erfolglos um Sprechstundenhilfe Stephanie buhlt und Marek Egert in der Rolle des Schriftstellers Igor, der gleich zu Beginn des Stückes die junge Antonia vor dem Selbstmord bewahrt.

Fazit: gut gemachte Komödie zum Lachen und Abschalten

An diesem Abend geht es nicht um hohen Anspruch, den Theater haben kann. Es geht um Unterhaltung, ums loslassen und um einen Abend Spaß und Freude für das Publikum. Und trotzdem steht über dem Abend ein Leitbild. Es geht um Aufrichtigkeit, um Liebe und um die Sehnsucht. Um die Sehnsucht nach der einen Person, die das Leben bereichern soll. Um die eine große Liebe, nach der alle suchen. Um Aufrichtigkeit, ohne die jede Beziehung von Anfang an zum Scheitern verurteilt ist. „Die Kaktusblüte“, von Karl-Heinz Ahlers passgenau für die Bühne adaptiert, ist eine gut gemachte Komödie, an deren Ende die Zuschauer fröhlich und mit einem Lachen im Gesicht das Theater verlassen können. Nicht mehr. Aber auch nicht weniger.


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Über den Autor

Oliver Carstens
Oliver Carstens
Oliver Carstens wurde 1979 in Hannover geboren und ist nach 12 Jahren in Hamburg und Schleswig-Holstein im März 2012 nach Hildesheim gekommen. Der gelernte Journalist arbeitet seit fünf Jahren im Bereich Lokaljournalismus. Ersten Erfahrungen bei einem Stadtmagazin in Hannover folgten in Hamburg Engagements für Wochen- und Tageszeitungen. Beim Pinneberger A. Beig Verlag, der zu Schleswig-Holsteins größtem Verlagshaus (sh:z) gehört, lenkte Carstens mehrere Monate als verantwortlicher Redakteur die Geschicke der neuen Sonntagszeitung "Tageblatt am Sonntag". Nach seinem Umzug nach Hildesheim arbeitete der gebürtige Hannoveraner als freier Journalist für die "Hildesheimer Allgemeine Zeitung", bevor er CityToday gründete. Als Inhaber der Medienagentur "Aussenkontakt" entwickelt er zudem Kommunikationskonzepte aus einer Hand, ist Experte für social media-Anwendungen und referiert zu journalistischen Themen. Zudem ist Carstens als Moderator und Organisator von politischen Veranstaltungen und Podiumsdiskussionen für die Friedrich-Naumann-Stiftung Für die Freiheit tätig.

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