ONLINE GEHEN UM OFFLINE ZU PUNKTEN

Sie wollen Hildesheim mit dem Online-Marktplatz nach vorn bringen: Eckhard Homeister, Hans-Detlef Parsiegla, Fritz Wichmann, Sebastian Machens (Arbeitsgruppe Online-Marktplatz Hildesheim), Dr. Ingo Meyer (Oberbürgermeister) Boris Böcker (Geschäftsführer Hildesheim Marketing) und Katarina Semper (Stellvertretende Vorsitzende Die Freundlichen Hildesheimer).

Immer mehr Menschen kaufen online. Ein Paradoxon soll nun dafür sorgen, die Hildesheimer Innenstadt neu zu beleben.

HILDESHEIM. Seit der Erfindung des Internets steigt die Konkurrenz für die Einzelhändler durch das Onlineshopping stetig. Darunter leidet nicht nur der Absatz, sondern auch die Lebensqualität in den Städten. Weniger Leben, weniger Erlebnis, weniger Motivation auf die Straße zu gehen – noch mehr Onlineshopping. Ein Teufelskreis, der durchbrochen werden soll. Lokal arbeitet die Stadt Hildesheim in Zusammenarbeit mit den Freundlichen Hildesheimern und einer Arbeitsgruppe aus Hildesheimer Händlern seit einem Jahr an der Zauberwaffe für dieses Kunststück. Wer gegen den Teufel antritt muss zu ungewöhnlichen Mitteln greifen. In diesem Fall scheint nur noch ein Paradoxon zu helfen: Die Händler müssen Online gehen, um Offline wieder punkten zu können.

Geplant ist die Einrichtung eines „Online-Marktplatzes“

Basis bildet der Dienstleister „Atalanda“ (https://atalanda.com/). Seit 5 Jahren verschafft diese Plattform Kunden einen Überblick über ihre Stadt und den Händlern eine Möglichkeit über ihre Produkte zu informieren. Hildesheim wäre die zehnte Stadt, die dem Prinzip des lokalen Onlinehandels folgt. Alle Geschäfte sollen in der digitalen Welt sichtbar gemacht werden. Dort soll jeder Händler sich sein persönliches „Online-Schaufenster“ einrichten können – inklusive Kaufoption und Lieferservice für den Kunden. Stamm dieser Idee sind Studien, die belegen, dass die meisten Menschen sich zwar im ersten Schritt online informieren – dann aber doch den Laden aufsuchen um das Produkt zu kaufen. Tastsinn und Service spielen eben noch immer eine Rolle. Der Marktplatz soll also in erster Linie über das Angebot in Hildesheim informieren. Fritz Wichmann ist sich sicher: „Wenn die Menschen wüssten, wie groß Hildesheims Produktpalette ist, dann gäbe es keinerlei Grund mehr nach Hannover oder Braunschweig zu fahren.“

Umsetzung und Erfolg des Projektes stehen und fallen mit der Zahl der Beteiligten. Nur wenn die Kunden tatsächlich finden ,was sie suchen werden sie die Plattform ein zweites Mal nutzen. Als Voraussetzung für den Start des Projektes wurde sich auf eine Mindestzahl von 40 Händlern geeinigt, die sich bereit erklären müssen teilzunehmen. Ist das gegeben steht einer Förderung durch das Land Niedersachsen wahrscheinlich nichts im Wege. Die Stadt Hildesheim selbst will das Projekt mit jährlich 10.000 Euro unterstützen. Im Zuge der Umsetzung wird ein „Kümmerer“ eingestellt, der das Projekt hauptberuflich begleitet. Die Händler werden in Schulungen und Workshops mit der Plattform vertraut gemacht. Bedingung ist ein monatlicher Beitrag von 80 Euro für den einzelnen Händler. Zunächst kann sich bis zum 15. April 2017 registriert werden. Alle notwendigen Antragsunterlagen finden sich hier.(www.hildesheim.de/onlinemarktplatz)

Im Laufe des Projektes sind nach und nach diverse Serviceerweiterungen vorgesehen. Gedacht ist zum Beispiel an einen „Online-Wochenmarkt“ sowie an die Entwicklung eines Konzeptes für die Versorgung der Hildesheimer Bevölkerung mit Dingen des täglichen Lebens. Geplant ist außerdem die Einrichtung eines „Pools“ Studierender, um örtlichen Händlern entgeltlich Hilfe bei der technischen Umsetzung leisten zu können und eine aktive Verbindung zwischen Studierenden und dem „Online-Marktplatz“ zu schaffen. Das Projekt insgesamt wird in enger Kooperation mit Händlern, den Freundlichen Hildesheimern, Bürgern, Studierenden, Hochschulen sowie örtlichen IT- und Marketingexperten entwickelt und umgesetzt.

„Die Projektlaufzeit beträgt drei Jahre, dann muss der Online-Marktplatz selbstständig laufen“, erklärt Eckhard Homeister, Wirtschaftsförderung Stadt Hildesheim.

Falls im Mai seitens des Landes über den Förderantrag positiv entschieden wird, folgen im Juni/Juli Händler-Workshops zur Schulung. Der Startschuss für den „Online-Marktplatz“ könnte dann am 15. Oktober fallen.

 

 

Über den Autor

Moritz Detje
Moritz Detje
Moritz Detje studiert seit dem Herbst 2014 Philosophie und Literatur an der Universität Hildesheim.

2 Kommentare zu "ONLINE GEHEN UM OFFLINE ZU PUNKTEN"

  1. Immer spannend von lokalen Online-Marktplätzen zu lesen, aber, liebe Hildesheimer, tut Euch das nicht an. Früher hat man Beton-Silos in Beton gebaut, heute hinterlassen solche Unternehmen virtuelle Beton-Silos, wo eigentlich nur Geld verbrandt wird. Ihr müßt das anders machen, anders sein und leidenschaftlicher, dann wird das auch was mit dem Online-Marktplatz. Meine Sichtweise darauf:
    https://www.fietz-medien.de/blog/atalanda-will-mit-einem-online-marktplatz-auch-in-hildesheim-scheitern/

  2. Eckhard Homeister | 7. März 2017 um 10:30 | Antworten

    Sehr treffend geschrieben!

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