HAWK-PRÄSIDENTIN MACHT BIS DEZEMBER WEITER

Christiane Dienel (Foto: HAWK Hildesheim)Christiane Dienel (Foto: HAWK Hildesheim)

Der Senat der HAWK entzieht seiner Präsidentin das Vertrauen. Vorzeitig zurücktreten will Christiane Dienel aber nicht.

HILDESHEIM. Große Aufregung am Donnerstagmorgen, als eine Meldung der Deutschen Presse Agentur (dpa) die Runde machte. Dort hieß es, HAWK-Präsidentin Christiane Dienel ziehe sich aus der Führung der HAWK zurück. Es wäre folgerichtig gewesen, immerhin hatte der Senat der Hochschule am Vorabend bekannt gegeben, den fast schon in trockenen Tüchern zu sein scheinenden Vertrag nun doch nicht verlängern zu wollen. Und während die Meldung weiter verbreitet wurde (übrigens auch von uns und dem ZDF Landesstudio Niedersachsen), liefen und er HAWK-Pressestelle die Telefone heiß.

“Frau Dienel tritt nicht zurück. Sie bleibt bis zum 31.12.2016 im Amt. Dann läuft ihr Vertrag aus”, stellte Pressesprecherin Sabine zu Klampen klar. Also doch kein Rücktritt. Es bleibt bei der Nichtverlängerung.

„Der Senat hat den Eindruck gewonnen, dass das Krisenmanagement der Präsidentin in Folge der Antisemitismusvorwürfe der Hochschule schadet“, heißt es in einer Erklärung des Senats der Hochschule am Mittwochabend. Die entstandenen Verwerfungen könnten nicht mehr von Dienel behoben werden, so die Überzeugung des Gremiums. Mit deutlicher Mehrheit der insgesamt 19 Mitglieder soll das Votum gegen Dienel gefallen sein.

In einer Stellungnahme vom Mittwochabend räumt Dienel eigene Fehler ein: „Niemals jedoch habe ich in irgendeiner Form den Verdacht des Antisemitismus verharmlost oder inakzeptable Formen von Kritik an Israel in Schutz genommen.“ Dass sie Dienstpflichten verletzt habe, sieht sie nicht: „Mit der Autorität meines Amtes und meiner Person habe ich die Hochschule und die Fakultät Soziale Arbeit und Gesundheit gegen Vorwürfe in Schutz genommen.”

Der Senat hatte eigentlich empfohlen, den Vertrag um weitere acht Jahre zu verlängern. Wissenschaftsministerin Gabriele Heinen-Kljaçiç (Grüne) hätte das Papier nur noch unterschreiben müssen. Doch die steht ebenfalls in der Kritik. Ein Gutachten des Zentrums für Antisemitismusforschung der TU Berlin, das für den 15. November erwartet wird, soll die Vorwürfe klären. Das Gutachten soll die Vorwürfe, dass in dem umstrittenen Seminar „Zur sozialen Lage der Jugendlichen in Palästina“ wissenschaftliche Standards nicht eingehalten wurden, bestätigen. Im August war das Seminar aus dem Programm der HAWK entfernt worden. Die zuständige Dekanin, Christa Paulini, war  bereits im September zurückgetreten.

„Was ich in den letzten Wochen erleben musste, ist eine von Furcht und Verantwortungslosigkeit geprägte Reaktion fast aller Beteiligten“, lässt Dienel in ihrer Erklärung ihrem Frust freien Lauf. „Man hat sich die willkürliche und möglicherweise rechtswidrige Verbindung der Frage meiner Wiederernennung als Präsidentin mit einem externen Gutachten zum Seminar einer Lehrbeauftragten unserer Hochschule bereitwillig zu eigen gemacht, um durch die Fokussierung des Konflikts auf meinen Kopf die eigene Verantwortung zu leugnen.“

Noch vor Kurzem hatte Dienel erklärt, der betroffenen Fakultät habe es an Gespür im Umgang mit dem umstrittenen Seminar und bei der Auswahl der Dozenten gemangelt. Von der Fakultät sei sie selbst nich angemessen und vollständig informiert worden. Den Rücktritt der Dekanin hatte Dienel begrüßt.

Über den Autor

Oliver Carstens
Oliver Carstens
Oliver Carstens wurde 1979 in Hannover geboren und ist nach 12 Jahren in Hamburg und Schleswig-Holstein im März 2012 nach Hildesheim gekommen. Der gelernte Journalist arbeitet seit fünf Jahren im Bereich Lokaljournalismus. Ersten Erfahrungen bei einem Stadtmagazin in Hannover folgten in Hamburg Engagements für Wochen- und Tageszeitungen. Beim Pinneberger A. Beig Verlag, der zu Schleswig-Holsteins größtem Verlagshaus (sh:z) gehört, lenkte Carstens mehrere Monate als verantwortlicher Redakteur die Geschicke der neuen Sonntagszeitung "Tageblatt am Sonntag". Nach seinem Umzug nach Hildesheim arbeitete der gebürtige Hannoveraner als freier Journalist für die "Hildesheimer Allgemeine Zeitung", bevor er CityToday gründete. Als Inhaber der Medienagentur "Aussenkontakt" entwickelt er zudem Kommunikationskonzepte aus einer Hand, ist Experte für social media-Anwendungen und referiert zu journalistischen Themen. Zudem ist Carstens als Moderator und Organisator von politischen Veranstaltungen und Podiumsdiskussionen für die Friedrich-Naumann-Stiftung Für die Freiheit tätig.

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