ENDLICH: DAS NIEMANDSLAND WIRD BEFÖRDERT

Das Stadtfeld in Hildesheim soll endlich aus seiner Rolle als abgehängter Stadtteil finden. (Foto: Moritz Detje)Das Stadtfeld in Hildesheim soll endlich aus seiner Rolle als abgehängter Stadtteil finden. (Foto: Moritz Detje)

Eine Chance für die Insel. Dank Förderprogramm von Stadt und Land rück der soziale Aufstieg des Stadtfelds in greifbare Nähe.

HILDESHEIM. Hildesheim hat es wieder geschafft. Ein weiterer Stadtteil wurde in die Städtebauförderung des Bundes und der Länder aufgenommen. Eine frohe Botschaft, die jedoch auf Zustände schließen lässt, die eher das Gegenteil von Freude auslösen.

Es geht um den Stadtteil, der umgangssprachlich auch „die Insel“ genannt wird. Willkommen im Stadtfeld, wo Grundstücke mit Natodraht gesichert werden. Willkommen im Niemalsland, dass niemand freiwillig betritt – ausgenommen die eigene Wohnung befindet sich in diesem von Hauptverkehrsstraßen eingerahmten Dorf.

Mit Bedauern blickt Stadtbaurat Dr. Kay Brummer auf die „miserable Nahversorgung“. Attraktive Infrastruktur sieht anders aus. Zudem hat das Stadtfeld mit seinen 1675 Bewohnern noch mit anderen Problemen zu kämpfen: Vandalismus und Diebstähle ruinieren nicht nur das Aussehen und den Ruf des Stadtteils, sondern auch das Wohngefühl.

Dabei hat das Stadtfeld Potential. Als einziger Stadtteil in Hildesheim zeigt die demografische Nadel auf „Tendenz steigend“, was die junge Bevölkerung angeht. Zudem kommen viele Grünflächen und ein Aufbau, der die Bildung eines Ortskerns begünstigt. In Anbetracht dieser Faktoren ist es also kein Wunder, dass das Stadtfeld neben dem Moritzberg und der Ost- wie Nordstadt als weiteres Sanierungsgebiet ausgewählt wurde. 2015 wurde das Quartier einer ersten Untersuchung unterzogen. Der Überholungsbedürftige Eindruck wurde bestätigt und ein Arbeitsbereich eingegrenzt. Dieser schließt jetzt den Block der Freien evangelischen Kirche, entlang der Triftäckerstraße bis hin zu den Mehrfamilienhäusern ein. Insgesamt sind 690 Einwohner direkt im Geltungsbereich des Förderprogramms. Indirekt – davon sind die Raumplaner überzeugt – profitiert jedoch das ganze Viertel.

Wie wird die Sanierung aussehen? Malte Spitzer (Stadt Hildesheim, Dezernent für Jugend, Soziales, Schulen und Sport) betont, dass er kein Interesse an einem „goldenen Betonklotz“ hat, sondern „Begegnungsräume“ schaffen will.

Weg vom Leben als Zwischenstation

Die Umsetzung soll die Stadt in Kooperation mit Partnern in der Gemeinwesensarbeit, der Wohnungswirtschaft sowie sozialen Hilfsorganisationen übernehmen. Dabei soll an bestehende Projekte und Ideen angeknüpft werden. Besonders im Fokus steht die soziale Infrastruktur. Der Wunsch des Ortsbürgermeisters Helmut Borrmann: „Mehr Menschen sollen sich hier beheimatet fühlen. Begegnungen müssen stattfinden können, das Stadtfeld muss mehr sein als eine Zwischenstation.“ Konkret hat das aber auch ganz physische Konsequenzen: Das Wohnumfeld mit seinen Freiräumen wird gestalterisch und funktional aufgewertet, der Verkehrsraum umgebaut und ein Zentrum geschaffen. Zusätzlich bekommt jeder Bürger innerhalb des Geltungsbereiches die Chance Eigeninitiative zu zeigen. Für Ideen der Bewohner wird ein Verfügungsfond in der Höhe von 15.000 Euro bereit gestellt. Auf Antrag kann dann in Eigenregie  am Stadtbild gearbeitet werden.

Vor Ort wird ein neues Quartiersmanagement eingerichtet. Sozialplanerisch wird Jens-Hendrick Gumbrecht (Verein „Gemeinwesenentwicklung Stadtfeld“) der Ansprechpartner sein. Den städtebaulichen, investiven Teil des Quartiermanagements wird ein Stadtplanungsbüro übernehmen. Insgesamt stehen für das Projekt 2,3 Millionen Euro zur Verfügung. Der Handlungsplan wird im April aufgestellt. Die Umsetzung wird voraussichtlich bis 2020 andauern.

Über den Autor

Moritz Detje
Moritz Detje
Moritz Detje studiert seit dem Herbst 2014 Philosophie und Literatur an der Universität Hildesheim.

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