JUNGES THEATER: KULTURLEUCHTTURM FÜR HILDESHEM

Das Kinderfest am Theater für Niedersachsen ist einer der Höhepunkte jeder Kindertheaterwoche in Hildesheim. (Foto: Oliver Carstens)Das Kinderfest am Theater für Niedersachsen ist einer der Höhepunkte jeder Kindertheaterwoche in Hildesheim. (Foto: Oliver Carstens)

Hildesheim will Kulturhauptstadt werden. Und sucht nach Leuchttürmen. Dabei spielt einer dieser Leuchttürme beinahe kaum ein Rolle in der Wahrnehmung. 

Ein Leitartikel von Oliver Carstens

Hildesheim braucht Kultur. Hildesheim will Kulturhauptstadt werden. Und eine Riege Männer sucht nach Leuchttürmen, um das besondere Flair der Kulturstadt in die Welt zu tragen. Dabei hätten Hartmut Reichhardt und seine Mitstreiter von “Hildesheim blüht auf” vor wenigen Tagen mal wieder die Gelegenheit gehabt, etwas ganz Besonderes an der Hildesheimer Kulturlandschaft zu entdecken.

Vor zwei Wochen war es nämlich mal wieder so weit. Zum nun schon 25. Mal lud das Theater für Niedersachsen zur Kindertheaterwoche ein, dem ältesten Kindertheaterfestival Deutschlands. Aus der ganzen Republik kamen Theaterschaffende aus dem Kinder- und Jugendtheater zusammen und spielten an acht Tagen in der Woche ihre Inszenierungen für die Altersgruppe von 2 bis 16 Jahren. Es ist ein ganz besonderes Event, das die Leiterin des Kinder- und Jugendtheaters dort Jahr für Jahr auf die Beine stellt.

Mehr als 1300 Besucher beim Kinderfest

Dorothea Lissel ist die Frau, die das jedes Jahr möglich macht. Ihre Schaffenskraft und ihr Engagement seit über 30 Jahren für das Kinder- und Jugendtheater haben immer wieder für neuen Wind bei jeder Kindertheaterwoche gesorgt. Ganz unterschiedliche Themen und Botschaften senden die Stücke aus und für die kleinen Theaterbesucher ist es oft der allererste Kontakt mit der Welt des Theaters. Auch das Kinderfest, eines der Höhepunkte einer jeden Kindertheaterwoche, konnte in diesem Jahr mehr als 1300 Besucher begrüßen, mehr als jemals zuvor.

Und doch fristet die Kindertheaterwoche in der öffentlichen Wahrnehmung oft ein Schattendasein. Weder in der breiten Masse noch im Theater selbst wird dieses Jahr für Jahr großartige Projekt genügend gewürdigt. Gut, zum 25. Jubiläum war es in diesem Jahr marketingtechnisch beinahe ein Selbstgänger, sogar das NDR Fernsehen war zu Besuch in Hildesheim und stellte die Kindertheaterwoche vor. Aber was passiert 2018?

Mehr Energie für das, was es schon gibt

Aus Hannover erreichen uns Leserbriefe, das Familien extra zur Kindertheaterwoche und auch zu den regulären Vorstellungen des Jungen Theaters nach Hildesheim kommen, obwohl sie in der Landeshauptstadt sogar ein Staatstheater vor der Tür haben. Die Besucher lobten die Auswahl und die Vielfalt der Stücke. Auch bei den Pädagogen hat die Arbeit des Kinder- und Jugendtheaters in Hildesheim einen ganz hervorragenden Ruf.

Das Marketing des TfN investiert genau einen Flyer in die Arbeit zur Kindertheaterwoche, den Rest müssen Dorothea Lissel und ihre Kolleginnen allein auf die Beine stellen. Seitens der Stadt gibt es noch nicht einmal auf der eigenen Internetseite einen Hinweis auf dieses auch über Hildesheim hinaus wirkende Ereignis. Und von den Herren, die so vehement dafür werben, Hildesheim zur Kulturhauptstadt machen zu wollen, ließ sich auch in diesem Jahr niemand am Theater blicken. Es ist der Hildesheimer Kulturlandschaft zu wünschen, dass sich Kraft und finanzielles Engagement auf das Bestehende konzentrieren möge. Darauf, nicht all die Energie auf “das eine Jahr” zu setzen. Am TfN wäre das beispielsweise die Realisierung einer barrierefreien Studiobühne für das Junge Theater.

Ein Ereignis wie die Kindertheaterwoche wäre so ein Vehikel, mit dem sich Hildesheim auch überregional und mit Recht brüsten könnte. Eines ist zumindest sicher: wenn man sich über eine Sparte am Theater für Niedersachsen keine Sorgen machen muss, dann ist es das Junge Theater, das in ganz Niedersachsen und sogar darüberhinaus mit all seinen Inszenierungen präsent ist.

Über den Autor

Oliver Carstens
Oliver Carstens
Oliver Carstens wurde 1979 in Hannover geboren und ist nach 12 Jahren in Hamburg und Schleswig-Holstein im März 2012 nach Hildesheim gekommen. Der gelernte Journalist arbeitet seit fünf Jahren im Bereich Lokaljournalismus. Ersten Erfahrungen bei einem Stadtmagazin in Hannover folgten in Hamburg Engagements für Wochen- und Tageszeitungen. Beim Pinneberger A. Beig Verlag, der zu Schleswig-Holsteins größtem Verlagshaus (sh:z) gehört, lenkte Carstens mehrere Monate als verantwortlicher Redakteur die Geschicke der neuen Sonntagszeitung "Tageblatt am Sonntag". Nach seinem Umzug nach Hildesheim arbeitete der gebürtige Hannoveraner als freier Journalist für die "Hildesheimer Allgemeine Zeitung", bevor er CityToday gründete. Als Inhaber der Medienagentur "Aussenkontakt" entwickelt er zudem Kommunikationskonzepte aus einer Hand, ist Experte für social media-Anwendungen und referiert zu journalistischen Themen. Zudem ist Carstens als Moderator und Organisator von politischen Veranstaltungen und Podiumsdiskussionen für die Friedrich-Naumann-Stiftung Für die Freiheit tätig.

Kommentar hinterlassen on "JUNGES THEATER: KULTURLEUCHTTURM FÜR HILDESHEM"

Hinterlasse einen Kommentar

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.

*