DEPRESSIONEN: RAUS AUS DER TABU-ZONE

"Robert Enke
konnten
wir nicht retten.
Dich schon." Die "Enke-App ist das neue Angebot der Robert-Enke-Stiftung."Robert Enke konnten wir nicht retten. Dich schon." Die "Enke-App ist das neue Angebot der Robert-Enke-Stiftung.

Soforthilfe bei Depressionen und eine Menge Infos über die Krankheit, alles gebündelt in einer App. Am Montag stellte die Robert-Enke-Stiftung das neue Angebot vor. 

HANNOVER. “Robert konnten wir nicht retten. Dich schon!” – es sind eindringliche und erschütternde Worte zugleich, die auf dem Plakat zu lesen sind, mit dem die Robert-Enke-Stiftung für ihre neue Enke-App wirbt. Neben den Worten ist das Gesicht Teresa Enkes zu sehen, der Witwe von Robert, der sich am 10. November 2009 das Leben nahm.

“Ich glaube, wir alle wissen noch, wo wir waren, als wir die Nachricht von Roberts Tod bekommen haben”, erinnert sich Teresa Enke gleich zu Beginn des Pressegesprächs. “Ich wusste leider nicht, wo mein Mann ist, sonst hätte ich ihm vielleicht noch helfen können.” Nach dem Tod Enkes gründete Teresa gemeinsam mit dem Deutschen Fußball-Bund die Robert-Enke-Stiftung, die sich seither vor allem darum bemüht, die Krankheit Depression zu entstigmatisieren. Das gelingt immer besser, berichten sowohl Enke als auch der Geschäftsführer der Stiftung, Jan Baßler.

DFB-Chef Reinhard Grindel, auch Mitglied im Stiftungsbeirat, lobte Teresa Enkes Engagement als beispielgebend: “Als wir gemeinsam mit Teresa Enke diese Stiftung ins Leben riefen, dachten viele zunächst an Aktionismus. Nach all den Jahren ist klar, dass das Engagement der Stiftung eine große Nachhaltigkeit besitzt.” Der DFB-Präsident weiter: “Die Stiftung hat erreicht, das Thema Depression aus der Tabuzone herauszuholen und Hemmschwellen zu senken. Es ist auch und gerade im Sport kein Tabu, sich helfen zu lassen.”

“Robert konnten wir nicht retten. Dich schon!”

Sieben Jahre Stiftungsarbeit liegen hinter den Akteuren, sieben Jahre, in denen Depression als Krankheit zwar noch nicht vollkommen angekommen ist in der deutschen Öffentlichkeit, aber sich immer mehr Menschen öffnen, und über ihre Krankheit sprechen. “Wir hören von Ärzten, deren Patienten nun weniger Angst haben, ihr Leid kund zu tun”, berichtet Baßler.  “Seit dem Tod meines Mannes hat sich vieles verändert. ‘Hab Dich nicht so’, war doch früher die übliche Reaktion, wenn jemand über Ängste oder Perspektivlosigkeit klagte”, erzählt Teresa Enke.

Teresa Enke kurz vor Beginn der Pressekonferenz in Hannover, auf der die Robert-Enke-Stiftung die neue "Enke-App" vorstellte. (Foto: Robert-Enke-Stifung)

Teresa Enke kurz vor Beginn der Pressekonferenz in Hannover, auf der die Robert-Enke-Stiftung die neue “Enke-App” vorstellte. (Foto: Robert-Enke-Stifung)

Mit der heute vorgestellten “Enke-App” will die Stifung nun neue Wege gehen. Die App besteht aus fünf Teilbereichen. So werden zum einen die Arbeit der Stiftung und sämtliche Aktivitäten in sozialen Netzwerken vorgestellt und begleitet. Ein weiterer Menüpunkt stellt die Krankheit Depression ausführlich vor. Der sogenannte “Moodtracker” soll helfen, seine persönliche Stimmung mittels Emoticons jeden Tag festzuhalten. “Das ist für einen Tag noch nichts besonderes, aber wenn man sich die Entwicklung über mehrere Wochen und Monate anschaut, entsteht so schnell ein Überblick darüber, in welcher Stimmung man sich eigentlich befunden hat”, erklärt Baßler. Ein Depressions-Test ergänzt dieses Angebot.

Kernstück der “EnkeApp” ist die SOS-Notruf-Funktion. Mit einem Knopfdruck wird der an einer Depression leidende Mensch mit der von einem Facharzt betreuten Beratungshotline der Robert-Enke-Stiftung verbunden. Zeitgleich kann ein Gruppen-Notruf abgesetzt werden, mit dem etwa Familienmitglieder oder Freunde über den akuten Krisenmoment alarmiert werden. Über GPS kann sofort der Standort ermittelt werden. Die Stiftung kooperiert bundesweit mit zehn Unikliniken und zahlreichen ambulanten Sportpsychologen. Dieses Angebot ist allerdings nicht kostenlos zu haben und muss vor der Nutzung freigeschaltet werden. Pro Jahr kostet dieser Service 59,40 Euro (umgerechnet 4,95 Euro pro Monat). Der Betrag ist einmalig zu zahlen.


Rund 10.000 Menschen nehmen sich in Deutschland pro Jahr das Leben, damit sterben deutlich mehr Menschen durch Suizid als aufgrund von Verkehrsunfällen, Drogenmissbrauch und HIV-Erkrankungen zusammen. Einer Untersuchung der Allianz-Gruppe zufolge ist jeder vierte gemeldete Krankheitstag im Berufsleben auf Depressionen zurückzuführen.

Über den Autor

Oliver Carstens
Oliver Carstens
Oliver Carstens wurde 1979 in Hannover geboren und ist nach 12 Jahren in Hamburg und Schleswig-Holstein im März 2012 nach Hildesheim gekommen. Der gelernte Journalist arbeitet seit fünf Jahren im Bereich Lokaljournalismus. Ersten Erfahrungen bei einem Stadtmagazin in Hannover folgten in Hamburg Engagements für Wochen- und Tageszeitungen. Beim Pinneberger A. Beig Verlag, der zu Schleswig-Holsteins größtem Verlagshaus (sh:z) gehört, lenkte Carstens mehrere Monate als verantwortlicher Redakteur die Geschicke der neuen Sonntagszeitung "Tageblatt am Sonntag". Nach seinem Umzug nach Hildesheim arbeitete der gebürtige Hannoveraner als freier Journalist für die "Hildesheimer Allgemeine Zeitung", bevor er CityToday gründete. Als Inhaber der Medienagentur "Aussenkontakt" entwickelt er zudem Kommunikationskonzepte aus einer Hand, ist Experte für social media-Anwendungen und referiert zu journalistischen Themen. Zudem ist Carstens als Moderator und Organisator von politischen Veranstaltungen und Podiumsdiskussionen für die Friedrich-Naumann-Stiftung Für die Freiheit tätig.

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