CHAOS BEI DER AFD: VORSTAND ABBERUFEN

Die Alternative für Deutschland (AfD) gewann bei den Stadtratswahlen in Hildesheim 9,3 Prozent. Bei der Wahl zum Kreistag Hildesheim erhielt die Partei 9,4 Prozent der Stimmen.Die Alternative für Deutschland (AfD) gewann bei den Stadtratswahlen in Hildesheim 9,3 Prozent. Bei der Wahl zum Kreistag Hildesheim erhielt die Partei 9,4 Prozent der Stimmen.

Der AfD-Kreisverband Hildesheim steht ohne Vorstand dar. Landeschef Armin-Paul Hampel hat den amtierenden Vorstand abberufen.

HILDESHEIM. So schnell kann es gehen. Gehörte die AfD noch zu den Gewinnern der Kommunalwahlen in Stadt (9,3 Prozent) und Kreis Hildesheim (9,4 Prozent), versinkt der Kreisverband nun im Chaos. Auf einer Mitgliederversammlung der AfD in Bad Salzdetfurth hat Landeschef Armin-Paul Hampel den Vorstand abberufen. Das Gremium soll seiner Einschätzung nach Gremium nach mangels Mitglieder nicht mehr handlungsfähig gewesen sein.

Kurios: War Kreischefin Kriesinger gar nicht mehr im Amt?

Hampel hatte die Mitglieder des Kreisverbandes eingeladen, um im Namen des Landesverbandes einen Rück- und Vorausblick auf die politischen Auseinandersetzungen zu führen. Dabei soll es auch um eine mögliche Kandidatur Hampels zu den anstehenden Wahlen zum Deutschen Bundestag im Herbst nächsten Jahres gegangen sein. Doch die Veranstaltung nahm eine überraschende Wende. Hampel schoss sich auf den Kreisvorstand ein und berief diesen dann ab. Kurios: Kreisvorsitzende Alexandra Kriesinger soll gar nicht mehr im Amt gewesen sein. Sie hatte vor einigen Monaten per E-Mail ihren Rücktritt vom Amt erklärt. Diesen habe sie zwar zurückgenommen, der Landesvorstand aber hatte ihren Rücktritt bereits angenommen.

Vier Freiwillige sollen nun das Chaos im Kreisverband lösen. Sie wurden von Hampel einsetzt und müssen nun einen Kreisparteitag organisieren, auf dem ein neuer Vorstand gewählt werden soll. Ob Alexandra Kriesinger wieder antritt, bleibt offen. Für eine Stellungnahme war sie am Montag bis zum Nachmittag leider nicht zu erreichen.

Auch die Facebook-Seite des Kreisverbandes, sonst häufig Quelle von mehr oder weniger wichtigen Nachrichten zur Lage der Nation, berichtete nichts über die Situation im Kreisverband. Die Webseite des Kreisverbandes war am Montag mehrere Stunden offline.

update: In dem sozialen Netzwerk Facebook hat sich am Montag eine Solidaritäts-Bewegung für die ehemalige Kreisvorsitzende Alexandra Kriesinger gegründet. Immerhin: am Montagabend hatte die Seite bereits über 100 Gefällt-mir-Klicks. In den Kommentaren meldet sich auch Kriesinger selbst zu Wort. So schreibt sie, dass der Landesvorsitzende Hampel die Mitglieder des Kreisverbandes bewusst für eigene Zwecke missbraucht habe. “Ich bin unabhängig und stelle zuviele unbequeme Fragen und strebe kein Mandat an. Das macht mich scheinbar gefährlich…. Ich hätte diese Presse nicht gebraucht. Dank der Pressearbeit von meinem Mann und mir standen wir in Hildesheim immer gut da”, heißt es in dem Posting von Kriesinger weiter.


Das übliche Gegeneinander
Kommentar von Oliver Carstens

Oliver Carstens, Chefredakteur citytoday

Oliver Carstens, Chefredakteur citytoday

Die AfD hätte allen Grund, freudig zu sein. Gute Wahlergebnisse bei Kommunal- und Landtagswahlen. Viele Mitglieder in den kommunalen Parlamenten. Und das, obwohl die AfD in Hildesheim kaum inhaltliche Werbung vor den Wahlen gemacht hatte. Kündigt der neue AfD-Fraktionschef Ralf Kriesinger vergangenen Woche noch an, man wolle im Stadtrat inhaltlich arbeiten und setze auf Kooperation, regiert jetzt das Chaos. Nicht nur auf Bundesebene zerfleischen sich die unterschiedlichen Machtlager oder spielen persönliche Animositäten eine Rolle.

Scheinbar auch im so beschaulichen Kreisverband Hildesheim kämpft man lieber gegeneinander statt miteinander gegen den politischen Gegner. Damit gehört die AfD zumindest in puncto Machtkämpfen schon ganz zum Establishment. Alles anders machen? Schon jetzt hat sich die AfD entlarvt. Wie schon bei allen anderen vormals rechten Parteien, die heute entweder ganz oder beinahe von der politischen Bildfläche verschwunden sind, geht es den Damen und Herren letzten Endes eben doch nicht um Politik für die Menschen. Sondern es geht ihnen um persönliche Vorteile.

Welche Rolle die Kriesingers dabei spielen, bleibt abzuwarten. Ob sie tatsächlich das Opfer eines machtgeilen, alten Landeschefs geworden sind, werden wir schon bald wissen.

Über den Autor

Oliver Carstens
Oliver Carstens
Oliver Carstens wurde 1979 in Hannover geboren und ist nach 12 Jahren in Hamburg und Schleswig-Holstein im März 2012 nach Hildesheim gekommen. Der gelernte Journalist arbeitet seit fünf Jahren im Bereich Lokaljournalismus. Ersten Erfahrungen bei einem Stadtmagazin in Hannover folgten in Hamburg Engagements für Wochen- und Tageszeitungen. Beim Pinneberger A. Beig Verlag, der zu Schleswig-Holsteins größtem Verlagshaus (sh:z) gehört, lenkte Carstens mehrere Monate als verantwortlicher Redakteur die Geschicke der neuen Sonntagszeitung "Tageblatt am Sonntag". Nach seinem Umzug nach Hildesheim arbeitete der gebürtige Hannoveraner als freier Journalist für die "Hildesheimer Allgemeine Zeitung", bevor er CityToday gründete. Als Inhaber der Medienagentur "Aussenkontakt" entwickelt er zudem Kommunikationskonzepte aus einer Hand, ist Experte für social media-Anwendungen und referiert zu journalistischen Themen. Zudem ist Carstens als Moderator und Organisator von politischen Veranstaltungen und Podiumsdiskussionen für die Friedrich-Naumann-Stiftung Für die Freiheit tätig.

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