AUSGERECHNET PINK – HEUTE IST WELTMÄDCHENTAG

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Der Weltmädchentag soll sensiblisieren. Aufmerksam machen darauf, dass immer noch viele Mädchen diskriminiert werden. Doch die Organisatoren greifen mit ihrer Farbwahl daneben. 

Der Weltmädchentag ist ein guter Tag, um zu zeigen, wie sehr die Diskriminierung von Mädchen immer noch um sich greift. Dass Mädchen in einigen Ländern nicht zur Schule gehen dürfen, dass sie zwangsverheiratet werden. Oder auch, dass sie in unserer zivilisierten Wohlstandsgesellschaft auch viel zu oft noch die zweite Geige spielen.

Die Organisatoren von Plan International haben sich auch in diesem Jahr etwas ausgedacht, das wirken soll. In ganz Deutschland sollen Gebäude oder Wahrzeichen beleuchtet werden. Das schafft Aufmerksamkeit und lässt die Menschen hinterfragen, warum da gerade etwas in so hellem Licht erscheint.

Als Farbe für die Beleuchtung haben sich die Organsatoren für  Pink entschieden. Ausgerechnet Pink. Die Organisatoren bedienen sich damit genau des Klischees, das sie eigentlich nicht wollen. Pink steht für Mädchen-Gedöns, Pink grenzt aus, denn es gibt auch genügend Jungs, die Pink als Farbe echt toll finden. Die Organisation “PinkStinks” kritisierte schon 2014 die Farbwahl und brachte ein Pinkes Pony, extra für Jungen auf den Markt. Die Aktion hatte einen ernsten Hintergrund.

Denn wie gefährlich es ist, die Farbe Pink nur Mädchen zuzuschreiben, zeigte ein Vorfall in USA: Ein Junge, der mit einem pinken Pony spielte, wurde so stark gemobbt, dass er versuchte, sich das Leben zu nehmen. Ein anderer bekam vom Rektor das Verbot, es mit in die Schule bringen: Immerhin wäre es ein Mädchenspielzeug. Damit in Deutschland auch Jungen mit weichen Dingen spielen dürfen ohne gleich als “schwul” oder “nicht Junge genug” abgestempelt zu werden, produziert Pinkstinks das Bilderbuch “David und sein rosa Pony” – das rosa Pony-Stofftier kann gleich dazu erworben werden. “Natürlich hoffen wir, dass insbesondere Jungseltern sich trauen, das Pony-Paket zu kaufen”, sagt Dr. Stevie Meriel Schmiedel, Geschäftsführerin der Organisation, die gegen Geschlechter- stereotypen in Werbung und Spielzeug kämpft. “Man ist nicht weniger Junge, wenn man kuschelt oder Ponys mag”.

Die Organisatoren des Weltmädchentags greifen mit ihrer Farbwahl völlig daneben. Warum ausgerechnet Pink? Warum nicht Blau, die Farbe der Freiheit? Oder Orange, als Zeichen für Aufbruch?

Plan International dürfte es egal sein. Denn mitmachen werden, auch in Hildesheim, wieder viele Organisationen oder Institutionen. Das Theater für Niedersachsen zum Beispiel. Oder die Jakobikirche. Hauptsache zeigen, dass man dabei ist. Ob Pink nun passt, oder nicht. Hinterfragen ist nicht. Dabei hätten die Hildesheimer doch ein ganz eigenes Zeichen setzen können. Zum Beispiel mit einer ganz persönlichen Farbwahl. Einem Regenbogen vielleicht.

So aber tun auch die Hildesheimer etwas dafür, dass das Klischee erhalten bleibt. Ausgerechnet am Weltmädchentag.


Hintergrund:

Die Vereinten Nationen (UN) riefen auf Initiative von Plan International den Welt-Mädchentag aus. Mit der Bewegung Because I am a Girl will Plan International eine Welt gestalten, die Ungerechtigkeit beendet, die Mädchen wertschätzt und ihre Rechte fördert: Dazu gehören das Recht auf Bildung, das Recht auf körperliche Unversehrtheit und das Recht auf eine menschenwürdige Arbeit. Mit der Farbe Pink will das Kinderhilfswerk ein Zeichen setzen und diese neu besetzen. Das kräftige Pink der Because I am Girl-Bewegung hat eine starke Signalkraft und vermittelt Lebensfreude und Zuversicht, genau das, was benachteiligte Mädchen motivieren kann, für sich und ihre Rechte einzustehen.

Zum Welt-Mädchentag am 11. Oktober 2016 werden in Deutschland in rund 20 Städten über 35 bekannte Gebäude, Wahrzeichen und Denkmäler in einem kräftigen Pink leuchten. In vielen der beteiligten Städte finden außerdem Veranstaltungen zum Welt-Mädchentag statt, begleitend dazu informieren die ehrenamtlichen Plan-Aktionsgruppen vor Ort über die Arbeit von Plan International.

Über den Autor

Oliver Carstens
Oliver Carstens
Oliver Carstens wurde 1979 in Hannover geboren und ist nach 12 Jahren in Hamburg und Schleswig-Holstein im März 2012 nach Hildesheim gekommen. Der gelernte Journalist arbeitet seit fünf Jahren im Bereich Lokaljournalismus. Ersten Erfahrungen bei einem Stadtmagazin in Hannover folgten in Hamburg Engagements für Wochen- und Tageszeitungen. Beim Pinneberger A. Beig Verlag, der zu Schleswig-Holsteins größtem Verlagshaus (sh:z) gehört, lenkte Carstens mehrere Monate als verantwortlicher Redakteur die Geschicke der neuen Sonntagszeitung "Tageblatt am Sonntag". Nach seinem Umzug nach Hildesheim arbeitete der gebürtige Hannoveraner als freier Journalist für die "Hildesheimer Allgemeine Zeitung", bevor er CityToday gründete. Als Inhaber der Medienagentur "Aussenkontakt" entwickelt er zudem Kommunikationskonzepte aus einer Hand, ist Experte für social media-Anwendungen und referiert zu journalistischen Themen. Zudem ist Carstens als Moderator und Organisator von politischen Veranstaltungen und Podiumsdiskussionen für die Friedrich-Naumann-Stiftung Für die Freiheit tätig.

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